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Mike Davis: Planet of Slums, London/New York 2006

Juli 28th, 2008 · No Comments

Das Provisorium eines Shelters, in Folge von Naturkatastrophen, Krieg und Vertreibung oder durch Armut und Landflucht errichtet, wird oft zu einer dauerhaften Wohnlösung. Nämlich dann, wenn sich die bedrohlichen Umstände, aus denen es entstanden ist, nicht geändert haben. Dieses Phänomen kennzeichnet auch weiterreichende Formen des informellen Siedelns. Der Mangel an Arbeit und Auskommen, der Zwang, sich an einer urbanen Ökonomie beteiligen zu müssen, und das Fehlen von Wohnraum niedrigsten Standards, zwingt große Teile der Weltbevölkerung, sich in illegaler Weise Land zu nehmen und darauf notdürftig Unterkünfte zu errichten. Von Planern und städtischer Verwaltung wird zunehmend anerkannt, dass solche Siedlungen für viele die einzige Möglichkeit darstellen, überhaupt ein Obdach zu erhalten und sie werden daher in letzter Zeit häufiger zum Gegenstand professioneller Interventionen. Im “besten” Fall können sie über Jahrzehnte befestigt, ausgebaut, formalisiert und mit minimalen Infrastrukturen versehen werden, im schlimmsten Falle vertreiben Polizei, Krankheiten oder klimatische und topografische Gegebenheiten die neuen Bewohner an andere Orte. Der amerikanische Soziologe und Historiker Mike Davis, der durch seine Untersuchungen von Gesellschaftsstrukturen im urbanen Kontext, wie City of Quartz über Los Angeles, bekannt wurde, widmet sein neustes Buch Planet of Slums dieser Überlebensform. 2020 könnte die städtische Armut weltweit 45 bis 50 Prozent der in Städten lebenden Gesamtbevölkerung erreicht haben. Bereits jetzt gibt es mehr als eine viertel Million Slums auf der Erde und allein die fünf großen Metropolen Südasiens umfassen ungefähr 15.000 verschiedene Slumgemeinden mit einer Gesamtbevölkerung von mehr als 20 Millionen Menschen. Die Bustees, Kampungs, Bidonvilles, Gecekondus, Favelas, Villas Miseria, Colonias Populares oder Slums sind zur vorherrschenden Lebenswelt der Menschheit geworden. Sie und nicht die Europäische Stadt, der Suburban Sprawl des Eigenheims oder die High-Tech-Metropolen sind die mit Abstand verbreitetste Siedlungsform. Gegen die optimistischen Annahmen eines “Selbsthilfekapitalismus”, der vornehmlich an solch informellen Orten praktiziert wird, stellt Davis fest, dass der makroökonomische Trend zur Informalisierung der Arbeit neue Formen absoluter Armut produziert und das informelle Proletariat in den Slums nur noch marginal und über ein sehr flexibles Ausbeutungsverhältnis an die formellen Ökonomien angebunden ist. Davis legt ausführlich dar, wie “die Mehrheit der städtischen SlumbewohnernInnen in der heutigen internationalen Ökonomie wirklich und radikal heimatlos” ist. (JF)

Tags: Literatur · Mikroarchitekturen · Politik · Shelter

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